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Der Meditationsweg
(Flyer)
Beschreibung
Bis weit ins 19. Jh. hinein stand die Religion
im Mittelpunkt des Lebens. Warum? Die mittlere Lebenserwartung lag bei
wenig über
30 Jahren. Denn ungenügende Hygiene förderte Krankheiten und
Seuchen; dazu kamen harte Winter und Hungersnöte. Kaum die Hälfte
der Kinder erreichte das Erwachsenenalter. Auch Kriege forderten unerhörte
Menschenopfer. Das Leben war ständig begleitet von Trauer um Angehörige
und damit von der Frage nach dem Woher und Wohin. Die Religionen geben
verständliche Antworten auf diese Frage und damit Trost, Lebensfreude
trotz allem und Aussicht auf ein besseres Jenseits.
Das Christentum ist geprägt durch die Ereignisse in Palästina
zur Zeit Jesu, dessen Martyrium und dem Mysterium seiner Auferstehung.
Schon früh pilgerten europäische Christen nach Jerusalem, wo
die Franziskaner die heiligen Stätten betreuten. Doch die Fernwallfahrt
war ein aufwendiges, beschwerliches und gefährliches Unterfangen,
das nur wenige auf sich nehmen konnten, wie um die Wende 16./17. Jh. die
Solothurner Johann von Roll, Johann Wilhelm von Steinbrugg, Jakob und Urs
Byss.
Die Franziskaner begannen deshalb, in Europa Abbilder der heiligen Stätten
Jerusalems zu errichten, um auch hier Wallfahrten zu ermöglichen.
Daraus entwickelte sich der barocke Stationen- oder Kreuzweg.
Der 1613 errichtete Kreuzweg von der Kirche St. Niklaus nach Kreuzen ist
einer der ältesten nördlich der Alpen. Die Schilderungen der
Solothurner Jerusalem-Wallfahrer hatte seine Erstellung angeregt, und Stifter
hatten sich rasch gefunden. 1643 liess Johann von Roll, in Erinnerung an
seine Wallfahrt, bei den letzten Stationen, dem Kalvarienberg, die Kirche
Kreuzen mit der Nachbildung der Grabkapelle in Jerusalem bauen.
Der gewaltige geistige Umbruch durch die Aufklärung und der Siegeszug
der Naturwissenschaften entthronte die Theologie als zentrale Wissenschaft.
Der Fortschritt der Medizin minderte die Sterblichkeit. Die Menschen entfernten
sich immer mehr vom religiösen Brauchtum und wandten sich dem Kult
des Alltags und des Verstandes zu. Der Kreuzweg wurde nicht mehr gepflegt
und verfiel.
Die Gesellschaft der Einsiedelei St. Verena hat sich bald nach ihrer Neugründung
mit der Frage der Restaurierung des Kreuzweges befasst. Weil neun Stationen
verschwunden, drei Stationen nahezu Ruinen, und nur zwei Stationen auf
privatem Grund noch intakt waren, bot sich die Neugestaltung als Meditationsweg
an. Dabei wurden aus der Passion die Situationen ausgewählt, die sich
symbolisch in jedem Menschenleben finden, beginnend mit dem verbindenden
Abendmahl und endend mit der Hoffnung auf Auferstehung. Dadurch wurde der
Weg katholisch in der ursprünglichen Bedeutung dieses Wortes: Alle
betreffend. Er kann rituell begangen werden, aber auch, unabhängig
von Religion und Konfession, meditierend über das eigene Schicksal.
Das
Projekt erhielt Zustimmung aus der Bevölkerung. Innert kurzer
Zeit fanden sich Gönner und Stifter. Der Rüttener Bildhauer Til
Frentzel restaurierte die drei baufälligen historischen Kreuze und
gestaltete neue, sich harmonisch einfügende Kreuze an Stelle der nicht
mehr vorhandenen. Die Zuger Malerin Maria Hafner schuf mit ihren betont
farblich aussagekräftigen Bildern das die unterschiedlichen Kreuzformen
vereinigende Band. Am Palmsonntag des Jahres 2000 wurde das Gesamtkunstwerk
von Bischof Kurt Koch eingeweiht und treffend als Kirche im Wald bezeichnet.
Plan

| Die Stationen |
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I |
Abendmahl |
VI |
Hinfallen unter dem Kreuz |
XI |
Maria und Johannes beim Kreuz |
II |
Am Oelberg |
VII |
Simons Hilfe |
XII |
Sterben am Kreuz |
III |
Vor Pilatus |
VIII |
Begegnung mit klagendenFrauen |
XIII |
Das leere Grab |
IV |
Dornenkrönung |
XI |
Veronika mit dem Schweisstuch |
XIV |
Auferstehung |
V |
Das Kreuz auf sich nehmen |
X |
Der Kleider beraubt werden |
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Bilder
| Station VII vor der Restaurierung |
Station VII nach der Restaurierung |
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| Station III, ein neues Kreuz
Bild: "Vor Pilatus"
von Maria Hafner
Kreuz: "Der Kreis" von Til Frentzel
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Station VI, ein neues Kreuz
Bild: "Hinfallen unter dem Kreuz"
von Maria Hafner
Kreuz: "Der Weg" von Til Frentzel
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Bilder und Gedichte
aus der Broschüre
"Meditationsweg Einsiedelei" |
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Station VII
Bild: "Simons Hilfe"
von Maria Hafner

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Gedicht von Silja Walter
Er kann sehr wohl-
du nicht mehr.
Seine Kraft
schafft
es nicht.
Aus deiner Ohnmacht
fliesst
sie ihm
zu.
Allmacht,
Kyrios Christos,
trägt doch dein Blick
leicht wie Licht
den Kosmos,
die Sterne,
das Meer.
Hinter dir her
ziehst du den Menschen
unter dem Balken
zu zwein
in deine Seligkeit
hinter der Nacht.
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Station XI
Bild: "Maria und Johannes beim Kreuz"
von Maria Hafner

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Gedicht von Silja Walter
Die Sonne der Welt
hängt am Galgen.
Der brennt duch den Kosmos
in den Himmel hinein.
Jetzt fliesst der aus,
fliesst der aus,
braust hernieder und
strömt
und fliesst aus,
durch die Eisrinde
der Weltsünde,
brennt sie entzwei
und verlöscht
um Drei,
als er schrie
wie nie
ein Mensch nach dem Vater
Gott.
Maria steht brennend -
auch der Jünger,
dabei und darin,
im ufer-
und grundlosen Schacht
dieser Nacht.
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